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akustische vers. digitale Instrumente

Paper:
The Phenomenology of Musical Instruments: A Survey
by Thor Magnusson and Enrike Hurtado

flickr, by Jeroen Latourimage by Jeroen Latour

Anhand eines Umfragebogens versuchten die Autoren Rückschlüsse auf die Entwicklung digitaler Instrumente zu schließen. Es folgt eine Zusammenfassung.

Neue Musikinterfaces haben ein Hoch u.a. durch folgende Aspekte erlebt:

  • die Thematisierung anfassbarer Benutzerschnittstellen in den 90ern,
  • der Drang nach neuen Ausdrucksmöglichkeiten seitens der Musiker (bestehende, kommerzielle Angebote beschränken persönlichen Ausdruck )
  • Open-Source-Software für “Amateure” wie Arduino, Processing, PD etc.
  • geteiltes Wissen (Infos&Anleitungen) im Netz
  • günstige elektronische Bauteile (Sensoren)
  • Verlangen nach mehr körperlichem Ausdruck: bei Laptopmusik stimmen auditives und visuelles Erleben oft nicht überein

Interessant ist, dass einige älteren Musiker, die ein klassischer Instrument erlernt haben, vor ca. 10 Jahren zur Computermusik gekommen sind und diese Entscheidung sehr bewusst getroffen haben. Wohingegen es eine weitaus jüngere Gruppe der Interviewten gibt, die man als “digital natives” bezeichnen kann und die auch nie ein klassische Instrument spielen konnten.

Im Paper werden digitale Instrumente akustischen gegenübergestellt.
Die wichtigste Differenzierung zw. den beiden Typen ist folgende:

the digital instrument can be created for specific needs whereas the player has to “mould oneself” to the acoustic instrument. As the composed digital instrument can be very work specific, it lacks the generality of acoustic instruments.

In einer Liste werden die Vorteile und Nachteile AKUSTISCHER Instrumente gegenübergestellt:

    Vorteile:
  • taktiles Feedback
  • Einschränkung als Inspiration (Grenzen der Tonhöhe, Klangfarbe, Amplitude)
  • Tradition, auf etwas aufbauen
  • Musiker erreichen Tiefe
  • körperliche Erfahrung
  • keine Zeitverzögerung
  • einfach Stimmungen auszudrücken
    Nachteile:
  • kein Speicher
  • historisch überladenen Artefakte
  • keine Experimente hinsichtlich der Gestaltung
  • inflexible, es ist kein “Dialog” mit dem Instrument möglich
  • keine Mikrotonalität

Vorteile und Nachteile DIGITALER Instrumente:

    Vorteile:
  • frei von musikalischen Traditionen
  • experimentell, jeglicher Ton in Kombination mit jeglicher Ansteuerung ist möglich (Mapping-Freiheit)
  • für spezielle Zwecke gestaltet
  • künstliche Intelligenz – Dialog mit Instrument
    Nachteile:
  • keine Kontinuität bzw. Entwicklung der Instrumente wegen Spezialisierung,
  • fehlendes haptisches Feedback
  • keine Konventionen
  • Zeitverzögerung
  • oftmals “körperlose” Erfahrung
  • Imitation akustischer Instrumente

Zusammenfassend: Der Computer ist ein symbolisches System, das flexibel und adaptiv anpassbar ist, wohingegen akustische Instrumente non-symbolische Artefakte sind, die das motorische “Gedächtnis” nutzen und somit eine wesentlich größere körperliche Verbindung eingehen.
Die Grenzen eines akustischen Instruments ändern sich je nach Können, Laune, etc. Sobald man aber eine Software beherrscht, dann sind die Grenzen der Funktionalität die Grenzen: Hier spricht man daher auch von “composing instruments”, da Funktionalität des digitalen Instruments Hand in Hand mit den Möglichkeiten geht.

Im Paper wird auch unterschieden zw. “ready-at-hand” und “present-at-hand” Werkzeugen, wobei die erst-genannten das motorische Gedächtnis (z.B. Hammer) und die zweiten kognitive Fähigkeiten ansprechen. Digitale Instrumente sind eine Mixtur aus beiden: wenn man eine Software kennt arbeitet man im Fluss, bis man z.B. aus dem “Flow” gerissen wird, weil man die Datei sichern muss.
Die Rollen zwischen Instrumentenbauer, Musiker und Komponist verschwimmen bei digitalen Instrumenten.

“a digital musical instrument can be highly musical, a signature of the composer herself, rendering it useless for other performers. But it could also be generic, universal, and open for musical inscriptionsm thus more usable for everybody”

???
Sehr spannendes Paper!
Grenzen scheinen wichtig zu sein. (pushing boundaries)

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